Zur Idee das Schulfach „Demokratie“ einzuführen

Es ist schon überraschend, dass nach der Bundestagswahl plötzlich die Erkenntnis zu entstehen scheint, dass vielleicht die Schulen doch einen Teil zur demokratischen Bildung von Menschen in diesem Land beitragen könnten.

Demokratiebildung, politische Bildung, Partizipation, Klassenräte – seit dem Wiederauftauchen des Themas Populismus und nach dem Einzug der AfD in den Bundestag fallen verschiedene Begriffe und Ansätze auf der Suche präventiven Mitteln gegen Extremismus. Viele Artikel, die an die medialen Strände zu dem Thema gespült werden, eint: Demokratie muss in die Schule.

Der alte Schlauch

Fast jeder Vorschlag und jedes (meist noch sehr vage) Konzept wird aber auf der selben Basis gedacht, die mEn zu wenig Veränderung führen kann.
Die grundsätzliche Haltung (ich entschuldige mich für diese Generalisierung, sie beruht lediglich auf meinen Erfahrungswerten) von Lehrerinnen und Lehrern ist, dass das Lernspielfeld, das Schülerinnen und Schüler zur Verfügung gestellt wird, stets da endet, wo der Vorstellungs- und Denkhorizont der Lehrerinnen und Lehrer selbst – und damit ihr sicheres Terrain – endet. Dahinter steckt möglicherweise die ihnen in ihrer Ausbildung vermittelte Kontrollfunktion und die Überzeugung, dass sie selbst die Oase der Wissensvermittlung sind und sich außerhalb lediglich nur Wüste, mit all ihren Gefahren und Irrwegen, befindet; und dass Kinder grundsätzlich Führung brauchen.

Diese Haltung ist per se keine demokratische (dabei verstehe ich demokratisch als Haltung, dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen und die Bereitschaft mich ernsthaft mit seiner Meinung auseinanderzusetzen und ergebnisoffen, jedoch lösungsorientiert, in die Auseinandersetzung zu begeben).

Schulfach „Demokratie“

Bei den meisten Vorschlägen, die zum Thema gemacht werden, ändert sich an der grundsätzlich autoritär bis autokratischen Haltung der Lehrerinnen und Lehrer nichts.
Der Vorschlag das Fach „Demokratie“ in Schulen einzuführen, ist dabei exemplarisch perfekt, wie lächerlich:
Sollte (!) darin wirklich Demokratie gelebt werden (z.B. SuS stimmen gemeinsam mit demder LehrerIn über Inhalte ab), wäre es wenigstens eine demokratische Erfahrung, die Schülerinnen und Schüler möglicherweise/hoffentlich soweit stärkt, dass sie darüber hinaus ermutigt und legitimiert auch in anderen Fächern und Schulsituationen ihre Meinung einbringen und auf ihre Rechte hinweisen.

Wenn aber mit der oben skizzierten Haltung „Demokratie“ als Fach unterrichtet wird, bleibt es nichts als ein performativer Selbstwiderspruch, der wütend machen kann und sich nach Betrug anfühlt und möglicherweise auch ist.

Nur am Rande: Andere Vorschläge zum Thema bleiben meist bei Planspielen während des einmaligen Exkurs‘ in den Bundestag und beim Mitbestimmen, was das Buffet der Abschlussfeier der AbsolventInnen beinhalten soll, stehen.

Demokratische Haltung

Damit Demokratie in Schulen funktioniert, braucht es eine demokratische Haltung von Lehrerinnen und Lehrern und SchülerInnen und Schülern. Und das muss über Partizipation in Klassenräten hinausgehen und Wahlmöglichkeiten und Selbstbestimmung zulassen, auch wenn es möglicherweise nicht in das Lebensbild der einzelnen Lehrerinnen und Lehrer passt.
Und damit sich Lehrerinnen und Lehrer diesen Schritt trauen zu gehen, braucht es auch für sie selbst demokratisches Erleben in ihren Gremien (z.B. LehrerInnenKonferenzen). Denn wer nie gelernt hat auf Augenhöhe zu diskutieren und Entscheidungen gemeinsam zu finden, ohne dass derdie Chefin oder derdie Schulleiter sie fällt, hat mEn auch nicht die Berechtigung und Kompetenz „Demokratie“ zu „unterrichten“.

Positiver formuliert: Wer eine demokratische Haltung im Schulalltag lebt, benötigt kein Fach „Demokratie“.

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