Den richtigen Stift!

Dieser Thread auf Twitter beschäftigte mich.
Vielleicht lest ihr ihn kurz, bevor ihr hier weiterlest.
Für mich blieb hängen: JedeR LehrerIn hat andere Vorlieben, je nach Fach (Musik: Noten mit Bleistift) und nach Rahmen (Klausur mit Kugelschreiber) verlangen sie etwas anderes.
Dass in diesem Thread das gemeinsame Auskotzen über SchülerInnen, das Stöhnen über die eigenen Leiden und der Austausch der besten Konditionierungstipps mit im Zentrum stand, soll außer in diesem Satz, nicht kritisch beleuchtet werden.

Viel lieber möchte ich konstruktiv kritisch sein.
Diese Kritik kommt aber (wenn ich in meiner Ausbildung und in den Neurowissenschaftsbüchern gut aufgepasst habe) nur an, wenn das Gegenüber danach fragen. Das wurde hier aber nicht.

Deshalb möchte ich euch gerne dazu einladen, hier weiterzulesen, um meinen Gedanken zu folgen, was man, nach dem Abkotzen (was wichtig sein kann/ist) und ohne Konditionierung (was definitiv last century ist), tun könnte, damit manche SchülerInnen lernen, was sie lernen müssen und vergessen, was unwichtig ist.
Wer das nicht wissen mag, kann gerne hier aussteigen. Wir sind ja nicht in einem Klassenzimmer.

Den Grund vor lauter Regeln nicht

In der Schule existieren, wie in jedem zivilgesellschaftlichem System, zurecht unzählige Regeln. Regeln für das gemeinsame Zusammensein, das gemeinsame Lernen etc.
Zudem existieren in der Schule unzählige Vorstellungen darüber, wie man richtig lernt. Was gute Organisation des Lernmaterials ist, welcher Lerntyp was benötigt, wieviel Mitschrieb sinnvoll ist, etc.
In diesem System zu lernen, heißt in jedem Fach und bei jedem Lehrenden neben dem fachlichen Inhalt viele Vorlieben (kennenzu-)lernen.
Dabei etwas zu übersehen oder zu vergessen, so dass der Lehrende es bei „JEDER fucking Arbeit“ wieder neu sagen muss, ist mEn überhaupt nicht verwunderlich.

An einer Stelle des Threads passiert etwas ganz Wunderbares:

Frau Dingsdabums 🌱 auf Twitter: „Ich war sehr stolz auf meinen Füller habe also nie verstand wieso man mit was anderem schreiben sollte? Aber jetzt kann ich ja na fragen: Wieso darf man nicht mit Bleistift schreiben?… https://t.co/lAh4rsTbZ0“

Frau Dingsdabums fragt nach.
Und darin liegt für mich der Beginn der Lösung der Stiftproblematik:
In der Frage nach dem Grund!
Wir haben sehr viele Regeln in der Schule, die einen Grund haben. Manche sind sogar gesetzlich festgehalten. Die Zeit, sich mit dem Grund zu beschäftigen und eventuell kritisch zu hinterfragen (was nicht zu einer Veränderung der Regel führen muss!) nehmen wir uns allerdings viel zu selten in der Schule.
Erst als Frau Dingsdabums erklärt wurde, warum es besser wäre einen Kugelschreiber in einer Klassenarbeit zu benutzen, konnte sie sich es selbst erklären und hatte verstanden. Und hier beginnt das, was eigentlich Kern von Schule sein sollte: Lernen.
Btw: Warum sie nicht schon in ihrer Schulzeit nachgefragt hat, sondern erst zig Jahre später im Netz eine Repräsentanz an Lehrkräften, kann ich nur erahnen.

Zwischen all dem Müssen, wissen wir manchmal nicht, was wirklich notwendig ist. Und deshalb wünsche ich mir von Lehrkräften, die eigenen Vorstellungen von richtigem Lernen und den eigenen scheinbar notwendigen Klassenzimmerregeln mit den gesetzlichen Notwendigkeiten abzugleichen. Ich glaube, hier kann viel entschlackt werden. Und die deutlich wenigeren Regeln, die übrig bleiben, können benannt und begründet werden. Und dann sicherlich auch gelernt bzw. angewendet.
Der Kugelschreiber in Klassenarbeiten macht aus genannten Gründen im vorhandenen Bewertungssystem Schule natürlich Sinn.
Viele anderen Lernvorlieben und Systemerfahrungen von Lehrerinnen und Lehrern empfehle ich als Empfehlungen zu formulieren. Die kann man oft sehr viel besser annehmen. Und wenn nicht, dann wird der Lernende schon wissen, wie er bzw sie am besten lernen möchte und kann – im Rahmen der Vorschriften.

(dieser Text wurde digital geschrieben)