„Jahresmappen“ zum Schuljahresende

Im Folgenden beschreibe ich euch, welche alternative Form eines Jahresabschlussdokumentes sich unsere Schule über Jahre erarbeitete und welches die Schüler:innen sehr wertschätzen. Ich werde es kurz vorstellen und dann beschreiben, wie es zustande kommt. Hiermit gehe ich auf einen Wunsch aus dem #twlz ein.

Da liegt ein Teil von 150 Mappen plus Zeugnissen für unserer Schüler:innen. Die Vergabe findet (wenn nicht Virenwarnung ist) im großen Rahmen feierlich im Garten statt. PlitschPlatschPlü kommt (ein Frosch, der um die Ecke im Weiher wohnt) und bringt sie in einer Schubkarre mit, inklusive einer lustigen Performance für Groß und Klein. Dann bekommt jede:r seine Mappe und überall sitzen Kinder und Jugendliche und schauen sich ihre eigenen Mappen an. Zeigen sich gegenseitig Bilder, lesen Briefe, lachen über vergangene Situationen…dann verabschieden wir uns in die Sommerferien.

Kurzbeschreibung der Mappe

Die Mappe enthält einen allgemeinen Teil, der für jede:n gleich ist, und einen personalisierten Teil.
Alle bekommen die gleichen Titelblätter, die gleichen farbkopierten Seiten einzelner Fächer, Angebote, Projekte, Jahresereignisse, Schulfahrten, etc. Dazu ein Seite für das Schulfoto und eine mit einem Foto vom Kollegium – und eine „Schöne Ferien!“ Seite.
Jede:r Schüler:in hat in ihrer Mappe noch knapp 30 Fotos von sich im Schulalltag, einen persönlichen 3-4 seitigen Brief und eventuell einzelne Seiten gestaltet von Freund:innen.
Insgesamt ist die Mappe auf schwerem Papier gedruckt und die Fotos entsprechend eingeklebt, sie wird mit einer Kordel gebunden und ist etwa einen knappen Zentimeter stark.

Hier ein paar Seitenbeispiele:

Für weitere Interessierte beschreibe ich nun skizzenhaft den Prozess zu den fertigen Mappen. Hierfür zeigten einige Interesse. Da die Mappe aus vielen Einzelprozessen besteht, werde ich diese jeweils kurz beschreiben.

Die Titelseite

Die Titelseite malt jedes Jahr ein anderes Kind oder Jugendliche:r. Jede:r kann Vorschläge bis zum Datum x einreichen und die Schulversammlung bestimmt dann, welches Bild das diesjährige Titelbild werden soll.

Kurs- und Angebotsseiten

Jede:r Teamer:in (so heißen bei uns die Lehrer:innen) gestaltet etwa zwei Seiten. Damit wir alle vollbekommen und nichts vergessen, geht in der Teamsitzung eine Liste herum und jede:r trägt sich ein, welche Seite er:sie übernimmt bzw. welche er:sie noch hinzufügen möchte. Die Standardfächer sind jedes Mal vertreten, dazu kommen Projekte, Seiten für besondere Schulausflüge oder Ereignisse, Seiten für offene Räume und Werkstätten oder auch mal eine Rätselseite.
Die Gestaltung übernimmt ganz frei jede:r Teamer:in. Manche arbeiten auch hier mit Schüler:innen zusammen, z.B. hier, wo eine Schülerin die Zeichnung übernommen hat und ein Kollege das Kreuzworträtsel:

Die Fotos

Das ganze Schuljahr über machen Teamer:innen und Schüler:innen Fotos vom Schulalltag. Diese sammeln wir nach und nach auf einem speziellen Rechner, der mithilfe eines Programmes die Bilder Personen zuordnet. Manchmal muss man manuell nachhelfen, es funktioniert jedoch recht gut. Damit haben wir zu jedem Kind einen Strauß aus Fotos, manchmal mehr, manchmal weniger. Notfalls fotografieren wir rechtzeitig gezielt nach.
Die Fotos werden dann exportiert und jede:r Teamer:in bestellt sich die Fotos und gestaltet für seine:ihre Schüler:innen die Fotoseiten.

Die Briefe

Grundlage 1: Kindbesprechungsrunden
Einige Wochen zuvor beginnen wir in der wöchentlichen Teamsitzung mit Kindbesprechungsrunden. Jedem:r Schüler:in widmen wir uns 20 Minuten in kleinen Runden, in denen der:die jeweilige:r Vertrauenslehrer:in mitschreibt, was die Kolleg:innen über die Schüler:in berichten. Damit das möglichst reibungslos und zügig funktioniert, haben wir folgendes System: jede:r trägt in einer Tabelle ein, zu welchem:r Schüler:in er etwas und wieviel zu sagen hat. Also: 0=nichts 1=etwas 2=mehr 3 =viel. Ein Kollege hat ein wunderbares Programm geschrieben, das uns anhand dieser Tabelle Kindbesprechungsrunden auswirft. Zu jedem Kind sind dann zwischen 4-8 Kolleg:innen, die in 20 Minuten gezielt berichten, wie sie das Kind in diesem Schuljahr erlebt haben, was das Kind gemacht hat, etc. Dadurch können mehrere Kindbesprechungsrunden (meist drei) parallel stattfinden. Dafür nehmen wir uns dann nochmal mindesten einen kompletten Tag zusätzlich.

Grundlage 2: Begleitung & Vetrauensgespräche
Das ganze Jahr über hat jede:r Teamer:in die Aufgabe, die eigenen Vertrauenskinder (die Schüler:innen wählen die Teamer:innen) zu begleiten und mit ihnen im Kontakt zu bleiben. Dafür haben wir einen Rahmen festgelegt. Protokolle, Mindmaps, Karteikarten, etc. aus Vertraunsgesprächen (angelehnt an Coachinggespräche) dienen auch für den Brief als Grundlage.

Jede:r Teamer:in schreibt dann einen Brief mit dem Kind bzw. dem:der Jugendlichen als klaren Adressat! Der Brief enthält einen Ausschnitt aus allem, was die Schüler:in das Jahr über an Kursen und Angeboten besucht hat, bei welchen schulorganisatorischen AGs es teilgenommen hat, womit es sich viel beschäftigt hat, welche Konflikte oder Herausforderungen Inhalt von Gesprächen waren und wie es dem Kind gelungen ist, sie anzugehen, fachliche Rückmeldungen von Kolleg:innen und noch offene Lernfelder, Berichte von außerunterrichtlichen Ausflügen, etc.
Genaue Gewichtungen unterscheiden sich von Kind zu Kind aufgrund von u.a. Jahrgangsstufe, differenzierten Lern- und Entwicklungsprozessen, Blick des Pädagogen:in, etc. Im Zentrum steht das Beschreiben und nicht das Bewerten.

Schüler:innen-Seiten

Die Schüler:innen nutzen die letzten Wochen immer wieder, um zuhause oder in der Schule für ihre Freund:innen einzelne Mappenseiten zu gestalten. „Schöne Ferien“-Wünsche, Zeichnungen, Freundschaftbekundungen, etc. Diese sammeln wir in einem Karteisystem.

Das Schnüren

Die ganzen Angebotsseiten werden dann unter Mithilfe von Eltern kopiert, wir ordnen sie, jede:r Kollege:in sortiert die eigenen Fotoseiten und die Schüler:innen-Seiten ein und bindet alles zusammen.

Dann sind die Mappen fertig und gehen zu PlitschPlatschPlü, der sie verteilen darf. Bei den Kindern sammeln sich so über zehn Schuljahre eine große Schublade an Jahresmappen der Erinnerung, die sie nach eigenen Aussagen immer wieder gerne anschauen.