„Co-Learning-Space“: Resonanzraum Kohorte

Zwischen informellem und formellem agilen (Prüfungs-) Lernen entwickeln wir gerade einen „Co-Learning-Space“.
Ein erster spontaner Zwischenbericht:


Durch die Kohortenbildung sind wir auf eine Gruppe jahrgangsübergreifender Jugendlicher zwischen 8ter und 10ter Klasse in recht heruntergekommenen „Gartenhaus“-Räumen zusammengeworfen worden. Das freie, informelle, gemeinsame Lernen von den Klassen 1 bis 10 ist nicht mehr möglich und wir müssen mit wenigen Lehrkräften die Brücke schlagen zwischen gezielter Prüfungsvorbereitung und Jugendlichen, die sich mit heterogenen Lernständen Richtung Prüfung bewegen und sich dennoch auch ihren eigenen Interessen weiter frei zuwenden möchten.

Um diese Verantwortung gemeinsam zwischen den wenigen Lehrkräften und den SchülerInnen zu teilen, entwerfen wir gerade ein neues Konzept: einen Co-Learning-Space.

Creating some Space

Die ersten zwei Wochen nutzten wir für den Aufbau des Rahmens und dem gemeinsamen Einrichten, der uns zur Verfügung stehenden Räume:

Ein Raum ist unser „Co-Learning-Space“ und Versammlungsraum: dort findet jeden Morgen mit allen eine Morgenrunde statt, in der wir zu Beginn einen Blick auf das Kanban Board werfen: welche Arbeiten wurden gestern erfolgreich beendet, welche sind wie weit vorangeschritten, welche sind neu aufgetaucht und brauchen noch jemanden, der sie übernimmt. 

In diesem Raum wurde in den ersten zwei Wochen das erste Projekt der Technikgruppe durchgeführt: alte Bühnenelemente wurden aus dem Keller geholt und platziert und in Skizzen der Bau einer Rücklehne vorbereitet. Wie integrieren wir die dahinterliegende alte Sprossenwand? Wie gehen wir mit der bald notwendigen Wärme der Heizung vor? Gleichzeitig begann die AES-Gruppe (Alltagskultur, Ernährung und Soziales) mit einer Einführung in einen Nähkurs. Das Ziel ist, dass sie passende Polster für die entstehende Sitzecke entwerfen und nähen. Andere bauten einen Computer auf oder begannen schon auf dem alten Klavier den Raum mit Leben zu füllen und sich gegenseitig Lieder beizubringen.

Ein weiterer Raum wurde der „Stille Lernraum“: hier musste viel ausgeräumt und aufgeräumt werden, Einzeltische eingerichtet und Fächer für verschiedene Schulfächer aufgebaut werden. 

Der dritte Raum ist unser „Gruppenraum“ für klassischeren Unterricht oder der von Gruppen für Projektarbeit gebucht werden kann. Auch dieser musste entsprechend mit Beamer, Tafel und genügend Gruppentischen und Stühlen ausgestattet werden.

Der letzte Raum ist um das Gartenhaus herum: hier wurde ein Gruppenzelt aufgebaut und mit Paletten für regnerische Tage versehen, eine Außenwand wurde gestrichen und zwei Schülerinnen entwarfen eine Logo für die „Gartenhaushorde“ am Tablet via Procreate, projizierten es an die Außenwand und jetzt haben sie begonnen das Logo nach einem Graffiti-Workshop mit Sprühdosen auszumalen. Um einen Baum räumten einige altes Holz weg, bauten eine Mauer auf, pflanzten gefundene Jungsprosse in Töpfe um und machten es sich schön. Unter einer Überdachung entstand ein Raum für eine Tischtennisplatte und gemütliches Zusammensitzen.

Lernraumplanung goes Boom

Diese ersten zwei Wochen Vorbereitungsphase sind jetzt abgeschlossen. Fazit: wir haben jetzt schon eine neue gemeinsame Lern- und Arbeitskultur entwickelt, die uns in Bewegung gebracht hat. Eine 8 Klässlerin leitet die Morgenrunde und fragt ab, wie weit die einzelnen ToDos und Projekte vorangekommen sind, wir diskutieren das Problem von Müll und eine Gruppe organisiert Dienstegruppen und eine Visualisierung dafür, andere beginnen schon erste Grammatik-Escape-Room Spiele zu machen und andere besorgen kostenlose Sitzsäcke über EbayKleinanzeigen. Die Räume füllen sich mit Leben. Alles passiert in einer, zweier oder auch vierer Grüppchen, alles gleichzeitig. Während einer Klavier spielt, nähen andere an drei Maschinen und zwei weitere sägen selbstständig Rückenlehnenbretter.

Eine Gruppe hat eine Mischung aus Rollenspiel und „Spiel des Lebens“ erfunden.

Da die Jugendlichen nach Unterricht bitten und der Rahmen schon einigermaßen steht, beginnt jetzt die nächste Phase: die Konzeptphase für die Prüfungsvorbereitungen. Wir entwerfen einen sehr agilen Stundenplan, der immer für zwei Wochen gilt und sich an die Notwendigkeiten anpassen soll und entsprechend nachjustiert wird. Für die Visualisierung rechnen ein paar passende Spaltengrößen aus, andere entwerfen schon am Computer schöne Schilder, die dafür passen und überlegen, wie wir das am besten modular aufbauen können. 

Ziel: es finden Inputs für die Prüflinge oder die 8er und/oder 9er statt, sie bekommen Aufgaben für zwei Wochen, manche werden benotet, andere dienen rein der Übung von Inhalten oder dem Durchführen von Projekten. Die LehrerInnen bieten differenzierte Aufgaben (offenere oder sehr gezielte) an, die auch Zuhause gemacht werden können und die die Jugendlichen selbstständig in den Räumen jederzeit machen können. Die vorhandenen Lehrkräfte sind Coaching- und LernbegleiterInnen, fragen nach, denken mit und weiter oder geben Tipps zu Texten, an denen die Jugendlichen arbeiten, beobachten oder machen eben Unterricht für einen Teil der Gruppe – der jetzt auch schon beginnt.

Eine Gruppe, die nicht im Prüfungskurs Mathe sitzt (ihr Vorbereitungskurs findet an einem anderen Tag statt), möchten ein Kunstprojekt machen und dafür eine Note: sie möchten eine Außenwand gestalten. Immer wieder kommen sie und fragen nach und wir spinnen ihre Idee weiter. Sie verlassen das Gelände für eine Zeit um sich an legalen Sprühwänden in der Nähe Inspiration zu holen, dokumentieren alles mit dem Handy und beginnen am Tablet mit den ersten Skizzen, machen Fotos und editieren eine GTA-Hud hinein: „Das möchten wir dann ausdrucken, an die Wand tapezieren und drumherum einen Fernseher und eine Playstation sprühen“. Die Gedanken sprudeln…

to be continued!